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Alt 10.04.2019, 14:22
Jessy19 Jessy19 ist offline
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Registriert seit: 28.03.2019
Beiträge: 5
Standard frühe Fehlgeburt, natürliche Geburt, Gefühlsdurcheinander...

Hallo liebe Frauen hier im Forum,


ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll... mir geht so vieles durch den Kopf und noch mehr, wenn ich hier eure Geschichten lese... ich möchte meine doch auch aufschreiben, weil es mir sehr geholfen hat, von euch zu lesen. Und vielleicht kann mir jemand auch etwas zu den Dingen sagen, die mich noch so beschäftigen.



Ich bin jetzt 35 Jahre alt, mein Partner und ich haben zwei Kinder (9 und 6 Jahre). Spätestens seit der Geburt unseres Kleinen war mir klar, dass ich (mindestens) noch ein weiters Kind haben möchte. Die Babyzeit mit ihm war sehr sehr anstrengend und auch deswegen wollte mein Partner kein weiteres Kind mehr. Anfangs dachte ich, vielleicht ändert sich das noch und habe versucht, nicht so viel darauf zu geben. Mit den Jahren allerings merkte ich, dass mir das Thema mehr zu schaffen macht, als ich mir eingestehen wollte. Ich habe versucht, alles nicht so verbissen zu sehen, was mir mal besser, oft schlechter gelang. Irgendwann im letzten Jahr versuchte ich, das ganze Thema innerlich etwas wegzuschieben, um mich nicht selbst damit fertig zu machen und konnte die Haltung haben, dass alles sich so fügen wird, wie es sein soll, wie es gut ist und eben kommt, wie es kommen soll.



Im Januar begann ich dann, die typischen Anzeichen einer SS an mir zu bemerken... einige Zeichen waren ziemlich schnell ziemlich ausgeprägt und ich war mir sicher, schwanger zu sein. Den Test hatte ich nur "pro forma" gemacht. Ich war so überrascht, aber auch so glücklich! Auch mein Mann hatte sich tatsächlich gefreut! In den nächsten Wochen haben wir immer wieder über unser drittes Baby gesprochen, Pläne geschmiedet... Es passte alles so perfekt, kaum zu glauben... Selbst der Zeitpunkt war besser, als ich es hätte planen können.



Komischerweise hatte ich innerlich einen Widerstand, wenn ich dran dachte, beim Arzt oder der Hebamme anzurufen und habe das tatsächlich auch hinausgezögert. Ich war auch überzeugt, dass alles gut ist. Letztendlich war ich in der 11.SSW beim ersten Gyn-Termin. Freute mich schon darauf, das Baby zu sehen, es müsste ja schon relativ "groß" sein usw. In den Tagen vorher war ich sehr unruhig deswegen, aber ich versuchte immer wieder, mich zu beruhigen und mir zu sagen, es ist alles in Ordnung, du hattest doch die ganze Zeit ein gutes Gefühl. Am Tag des Termins stand ich unter der Dusche und fragte mich, was wäre, wenn nicht alles okay wäre. Und schob den Gedanken weg.


Es war nicht alles okay. Das Kind war kaum zu sehen, an einen Herzschlag gar nicht zu denken. Die Ärztin war sehr nett und meinte, wir warten ab, vielleicht wäre es noch so klein, weil ich so lange Zyklen hatte. Das könne schon sein. Sollte in der Woche drauf zur Kontrolle kommen.


Ich versuchte danach, dass alles irgendwie zu realisieren, aber es war mir einerseits völlig fremd und irreal und trotzdem war ich schon fix und fertig. Hatte schnell keine Hoffnung mehr und innerlich immer wieder versucht, mit meinem Baby zu sprechen... Sollte es nicht leben können, würde ich es loslassen, egal wie schwer es für mich war, ich würde es gehen lassen...


Am nächsten Morgen ging mir als erstes durch den Kopf "das war´s, es ist vorbei", und tatsächlich begannen an diesem Tag die Blutungen. Ich war fix und fertig, aber gleichzeitig auch froh darüber, dass mein Körper das alles irgendwie regeln würde. Mir ging immer wieder "Ausschabung" durch den Kopf und das zog mich noch mehr runter. Hatte begonnen, viel zu lesen, so bin ich auch auf das Forum hier gestoßen. Und habe dadurch auch den Mut gefasst, allem seinen Lauf zu lassen und zu versuchen, die beginnende Fehlgeburt natürlich ablaufen zu lassen und jeglichen "Eingriff" von außen zu vermeiden.

So hat es sich tatsächlich auch ergeben, und darüber bin ich mehr als froh. Ich hatte einige Tage starke, aber nicht total krasse Blutungen und fünf Tage nach dem Arztbesuch löste sich mein Baby von mir... ganz unspektakulär und ohne vorherige Ankündigung. Wehen hatte ich einige Tage vorher sehr deutlich (konnte sie aber erst im Nachhinein als Wehen deuten), an diesem Tag nicht mehr. Zwei Tage später löste sich nochmals Gewebe. Der Kontrolltermin bei der Ärztin ergab dann auch eine leere Gebärmutter mit noch etwas aufgebauter Schleimhaut. Die Ärztin kontrolliert seitdem meinen hcg-Wert, der bisher aber gut gefallen ist. In der Zeit der Blutungen hatte ich mehrfach mit der Praxis telefoniert, und ich konnte meinen Symptomen zuhause bleiben - hätte mich bei deutlich oder plötzlich viel mehr Blutungen, Fieber o. ä. melden sollen, aber das hatte ich alles zum Glück nicht. Die Blutungen hielten insgesamt für ca. zwei Wochen an.


Ich bin sehr froh, wie diese Fehlgeburt körperlich abgelaufen ist und dass mein Körper alles alleine geregelt hat, ich das mit mir selbst durchmachen konnte und nicht in irgendeine Klinik oder Medikamente nehmen musste. Das gibt mir tatsächlich viel Kraft und auch wieder Vertrauen in meinen Köper - das war zuerst mehr als erschüttert, ich fühlte mich regelrecht von meinem Körper vera....t...


Ich bin jetzt die dritte Woche krank geschrieben und versuche, mich mit all dem auseinanderzusetzen. Die letzten Tage ging es mir gut, aber seit gestern Abend kommt alles wieder zurück. Die Trauer, die Wut, ich weine ständig... Ich kann auch kaum darüber sprechen, ständig muss ich dann weinen und finde kaum die Worte. Daher schreibe ich jetzt auch.
Die Tage nach dem ersten Arztbesuch waren voller Verzweiflung. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das überstanden habe. Und irgendwie fühlt es sich jetzt schon so weit weg an. Das ist ganz seltsam.
Im Moment bin ich hin und hergerissen, ob ich ab nächster Woche wieder arbeiten gehe oder doch noch einmal versuchen soll, mich krank schreiben zu lassen (keine Ahnung ob die Ärztin das überhaupt machen würde). Ich habe beruflich mit Schwangeren und Müttern mit Babies zu tun und einerseits packe ich die Aussicht darauf überhaupt nicht, andererseits muss ich irgendwann wieder anfangen und einfach wird es so oder so nicht. Aber alle Emotionen dann nur wegschieben und funktionieren?



Ich frage mich immer, was die Erfahrung für mich bedeutet und versuche das auch spirituell einzuordnen.


Mit der SS kamen Erinnerungen an zwei andere lange Zyklen hervor, ich denke, das waren zwei andere SS, die ganz früh endeten. Auch das war mir schon jedes Mal so schwer gefallen, obwohl ich da noch gar nicht getestet hatte und keine wirkliche Sicherheit hatte, damals schwanger gewesen zu sein. Das Gefühl hatte ich aber, und das hat man ja auch nicht einfach mal so.
Das löst auch wieder noch mehr Fragen aus.


Ich frage mich immer wieder, ob ich etwas falsch gemacht habe, ob ich etwas hätte tun können, warum musste das denn passieren? Warum hatte ich so gar nichts davon gemerkt, dass eben nicht alles in Ordnung war? Oder wollte ich das einfach nicht spüren? Nicht wahrhaben?



Emotional ist alles so durcheinander gerade. Habe jetzt auch viel mehr geschrieben, als ich wollte, und ich könnte noch so viel mehr schreiben, habe mich ja schon kurz gefasst... Das musste jetzt erst einmal raus. Danke fürs Lesen.
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  #2  
Alt 16.04.2019, 20:00
IngerT. IngerT. ist offline
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Registriert seit: 02.07.2016
Beiträge: 63
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Liebe Jessy, es tut mir sehr leid, zu lesen, dass deine Schwangerschaft so früh zu Ende ging und du ein Sternchen hast. Ich habe gerade nicht so viel Zeit, aber wollte dir noch kurz schreiben, dass dich gar keine Schuld trifft, du hast nichts falsch gemacht! Ich bewundere dich für die Ruhe, mit der du auf die kleine Geburt gewartet hast. Und ich kann so gut verstehen, wie traurig du bist. Wenn du das Gefühl hast, es würde dir gut tun, dann versuche doch noch einmal, dich krank schreiben zu lassen. Immerhin hast du tatsächlich auch eine "Geburt" hinter dir und bist Mama von einem Sternchen geworden. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Frieden!!! Inger
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  #3  
Alt 20.04.2019, 17:30
Jessy19 Jessy19 ist offline
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Registriert seit: 28.03.2019
Beiträge: 5
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Liebe Inger,
danke für deine lieben Worte!
Ich bin tatsächlich noch krank geschrieben und das tut mir auch sehr gut. Ich kann mich jetzt noch ein wenig mit mir selbst und dem Verlust beschäftigen und fühle mich nicht so starkt unter Druck, funktionieren zu müssen. Frage mich dennoch, ob das "übertrieben" ist? Muss versuchen, mich auf mich zu konzentieren und auszublenden, wie das alles nach außen wirkt.

Liebe Grüße
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