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  #1  
Alt 08.07.2013, 12:24
heidi70 heidi70 ist offline
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Standard Wut im Bauch

Hallo ihr Lieben,
heute wende ich mich mal an euch, weil ich ein Wut-/Hass-Gefühl einfach nicht loswerde. Ich nehme das Gefühl sehr deutlich wahr, und habe es schon öfter auch versucht, sehr liebevoll anzunehmen. Aber es ändert sich fast nicht. Vielleicht kann mir jemand helfen?

Zum Hintergrund: Anfang Januar hatte ich mit 42 Jahren das erste Mal einen positiven SS-Test in Händen. Die nächsten 6 Wochen waren für mich eine sehr, sehr glückliche Zeit, auch wenn sich schon bald abzeichnete, dass sich unser kleines Krümelchen nicht schnell genug entwickelte. In der 11. SSW haben wir es dann gehen lassen müssen. Ich habe dieses ganze Erlebnis eigentlich sehr positiv gesehen - überhaupt einmal schwanger zu sein, eine Fehlgeburt zu überstehen und dadurch unendlich viel Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen. Zu wissen, dass ich das schaffen kann - früher hatte ich vor der Geburtssituation sehr viel Angst, mittlerweile kann ich mir das sehr gut vorstellen und auch vorstellen, dass ich das schaffen kann.

Nun, soweit so gut. Kurz nach der Fehlgeburt, ca. 4 Wochen später, habe ich erfahren, dass meine Schwägerin wieder schwanger ist. Ich wusste davor schon, dass die andere schwägerin ebenfalls schwanger ist, hatte damit aber bislang keine PRobleme. Die neue Schwangerschaft hat mich nun sehr, sehr hart getroffen. Sie hat bereits 2 Kinder, die auch schon fast im Schulalter sind. Und immer wurde davon geredet, dass es kein weiteres Kind geben wird. Warum nun ist sie ausgerechnet jetzt schwanger geworden? Völlig irrationale Programme laufen da bei mir ab. Gedanken wie "sie hat mein Seelchen gestohlen", "sie will es mir nur zeigen, wie einfach es bei ihr geht" und sowas in der Art rotiert in meinem Kopf. Und das macht mich wahnsinnig wütend auf sie!

Ich habe zu dem Zeitpunkt sehr viel geweint, und mir sind wochenlang die Tränen geflossen. Mittlerweile habe ich ständig Rückenschmerzen, was für mich ein Zeichen ist, dass ich die Gefühle noch nicht verarbeitet habe. Meine Osteopathin hat auch starke Spannungen in Leber/Galle ertastet, was auch auf unterdrückte Wut hindeutet.

Habe ich die Trauer noch nicht verarbeitet? Wie kann ich damit besser umgehen?
Ich verstehe mich eigentlich recht gut mit dieser Schwägerin, daher tut es mir auch ein wenig leid, dass ich so reagiere. Aber ich könnte schreien....

Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich diese Gefühle ein wenig besser einordnen und verarbeiten kann?

Liebe Grüße
Heidi

Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber Du kannst lernen, auf Ihnen zu reiten!
Mit meinem Krümelchen fest im Herzen (*12.02.2013, 10. SSW)
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  #2  
Alt 08.07.2013, 13:53
Beate71 Beate71 ist offline
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Liebe Heidi,

Deine Wut und Deine Verwirrung kann ich bis hierhin durch Deine Zeilen spüren. Vielleicht auch weil eine ähnliche Wut in mir ist. Oder war?

Es ist jetzt fast 5 Jahre her, daß ich einen meiner Zwillinge gehen lassen musste. Ich glaubte, daß alles gut verarbeitet zu haben. Und dann ist meine Schwägerin Ende letzten Jahres mit Zwillingen schwanger geworden. Ja, und ab da war alles auf den Kopf gestellt. Alles kam hoch.

Die Wut, auf meine Eltern, bei denen unser Sternchen kein Thema.

Die Wut auf meinen Bruder und seine Frau, die nicht einmal unseren Schmerz, unseren Verlust anerkennen konnten. Denn immerhin haben wir doch ein Kind.

Die Wut, das sie nicht schätzen können, welches unsagbare Glück sie erfahren.

Die Wut und die Trauer, das es uns nicht vergönnt war, die Schwangerschaft bis zum Ende als Doppelpack zu erleben.

Und dann kam die unglaublich große Trauer, die in mir drin steckte. Die ich endlich zulassen konnte. Irgendwann kam dann die Erkenntnis, daß ich dieses Kind endlich auch als MEIN Kind annehmen muß. Das wir mit ihr weiterleben. Ach, ich kann das so schlecht formulieren. Ich dachte immer, dass ist nur die Vergangenheit. Aber es Teil unseres ganzen Lebens.

Endlich konnte ich mir eingestehen, daß ich sie vermisse. Das ich sie so gerne hier bei uns hätte. Das sie uns fehlt. Das sie unser 1. Kind ist.

Jetzt sind die beiden Kinder meiner Schwägerin auf der Welt. Und mit einmal ist die Wucht der Gefühle weg.

Weisst Du, es gibt glaube ich so unterschiedliche Phasen der Trauer. Und nur weil wir durch eine Phase durch sind, heisst das wohl nicht, dass wir die Trauer komplett verarbeitet haben. Vom Kopf her irgendwie klar. Aber vom Bauch her war mir das so nicht klar...

Hinter der Wut steht also was. Und das ist die Trauer, die sich ihren Weg sucht.
In der #Aufbruchstimmung gab es einmal eine sehr gute Idee. Christine war es, glaub ich, die sich unterschiedliche Personen im Raum vorgestellt hat. Also ein Kissen oder Stuhl oder ein Blatt Papier für ihr Sternchen, für ihre zukünftigen Kinder, für z.B. Deine Schwägerin, für das ungeborene Kind Deiner Schwägerin etc. Und dann die Zettel im Raum verteilen. Und zu spüren, wo wollen diese Personen im Raum sein. Wie nah und wie fern voneinander. Und dann bewegst Du Dich zu jeder Person und schaust was das mit Dir macht. Was Du sagen, oder schreiben, oder malen willst. Vielleicht ist es gut, daß immer mal zu machen um zu sehen, was sich verändert oder auch wer fehlt...

Ich drück Dir die Daumen dass Du diesen Gefühlsstau bald lösen kannst.

Alles, alles Liebe
Beate

mit unserem Sonnenschein im prallen Leben (03/2009) und unserem * (09/2008) im Herzen
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  #3  
Alt 08.07.2013, 15:45
Benutzerbild von *Pamela*
*Pamela* *Pamela* ist offline
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Liebe Heidi,

ich weiß nicht, ob es dir weiterhilft, aber ich hatte vor einiger Zeit auch mal so eine aufgestaute Wut, die einfach nicht weggehen wollte. Das Problem war, dass diese Wut sich auf ein Ereignis bezog, das bereits über 5 Jahre zurücklag. Vom Kopf her hatte ich damit längst abgeschlossen, hatte darüber Tränen vergossen, konnte komplett verstehen, wie es damals dazu gekommen war... eigentlich schien es aufgearbeitet zu sein. Aber trotzdem blieb da diese Wut, die in jeder ruhigen Minute wieder über mich kam.

Es war schwierig, dieser Wut zu begegnen, weil sie ja keinerlei Bezug mehr zur Gegenwart hatte. Sie erschien mir auch vollkommen unangemessen, irrational... und es war fast so, als wäre die Wut in den Jahren, wo ich sie nicht wahrgenommen hatte, unbemerkt weiter gewachsen. War es unmittelbar nach dem damaligen Ereignis noch eine "vertretbare" Wut, so hatte ich nun regelrecht Mordgedanken gegenüber der Person, die damals daran beteiligt war.

Immer wieder dachte ich: Meine Güte, nun muss es aber mal gut sein! Aber es half alles nichts, die Wut blieb hartnäckig da.
Und eines Abends hab ich dann sozusagen "nachgegeben" - hab mich mit einem Glas Wein hingesetzt und alles aufgeschrieben. Hab meine ganze Wut in einem Brief an diese Person ausgedrückt, völlig unverblümt, mit Kraftausdrücken und Morddrohungen und allem.
Ich muss ehrlich sagen, ich war hinterher doch ziemlich erschrocken über das Ausmaß dieser Wut... aber es hat geholfen! Die ständigen bohrenden Gedanken haben aufgehört, was eine ungeheure Erleichterung war... und ein paar Wochen später hab ich noch mal hingespürt und festgestellt, dass die Wut wirklich komplett weg war.

Vielleicht braucht deine Wut auch mal ein Plätzchen, an dem sie sich ausdrücken darf, ohne bewertet zu werden. Sei es in einem Brief... oder in einem richtig lauten Wutgebrüll... oder in sonst einer Art, die für dich passt.

Du schreibst, dass du schon versucht hast, die Wut liebevoll anzunehmen - aber ich glaub, das ist bei der Wut oft gar nicht so einfach. Sie ist ein anspruchsvoller Gast, gerade bei uns Frauen. Wir stellen ihr Kekse hin und Blumen... aber wenn sie dann zu uns kommt und anfängt, rumzupoltern und womöglich die Vase umzuschmeißen, dann kriegen wir kalte Füße und wollen sie doch lieber schnell wieder loswerden... zumindest geht es mir oft so.
Ich bin keine Expertin, aber ich denke, dass die Wut im Trauerprozess dazugehört. Nur wird es eben nicht gern gesehen, wenn Frauen wütend sind. Also überspringen wir gerne mal die Wut-Phase und gehen gleich zu den Tränen über - denn die werden uns Frauen ja eher zugestanden.

In deinem Fall ist es vielleicht besonders verzwickt, weil deine Schwägerin ja nicht "mit Absicht" schwanger geworden ist. Das weißt du natürlich, deshalb erscheint es dir vom Kopf her völlig unangebracht und "irrational", auf sie wütend zu sein. Aber Wut ist niemals "rational", es ist ein Gefühl. Es ist wie es ist.

Mein Rat wäre: Finde eine Form, wie du deine Wut ausdrücken kannst - so dass sie niemandem schadet, aber auch so, dass du auf niemanden Rücksicht nehmen musst. Beates Vorschlag mit den Zetteln oder Gegenständen als Stellvertretern find ich da gut geeignet, falls du lieber redest statt zu schreiben. Deine Schwägerin würde ich vielleicht nicht unbedingt als Adressatin nehmen (denn sie kann ja wirklich nichts dafür). Aber du kannst ja auch z.B. "das Schicksal" mit deiner Wut konfrontieren.
Und dann erlaube dir wirklich mal, in die Wut reinzugehen und sie so groß werden zu lassen, wie sie will. Das mit dem Einordnen und Verarbeiten kommt dann später!

So viel von mir - ich hoffe, es ist was für dich dabei!
Liebe Grüße und alles Gute für dich,
Pamela
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  #4  
Alt 09.07.2013, 06:51
Tinalein Tinalein ist offline
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Liebe Heidi,

erstmal möchte ich dir sagen, dass ich dich gut verstehen kann. Ich glaube Wut ist ein fester Bestandteil der Trauer, den wir durchleben müssen, die Einen länger, die Anderen kürzer.

Ich bin auch in einem ähnlich, unverschämt hohen Alter nochmal schwanger geworden. Nach einigen glücklichen Wochen mußten wir unser Kind gehen lassen. Das Kind ging, Trauer kam. Und direkt danach die Wut.

Im Moment gönne ich noch keinem eine Schwangerschaft, kann mich nicht mit demjenigen freuen oder ein Neugeborenes süß finden. Erstaunlicherweise kann ich das den Anderen gegenüber ganz gut verbergen, aber tief in mir sieht es ganz anders aus.
Wenn es mich überkommt, dann wüte ich hier zu Hause, schreie mal wieder meinen Mann an (der ja wirklich nichts dafür kann, aber alles aushält) , raste einfach komplett aus. Na und? Ich kann nicht anders...

Ich hab zwar keine Rückenschmerzen, dafür ständig Kopfschmerzen, die mich jeden Tag mürbe machen. Gleichzeitig sitzt bei mir die Angst nie wieder schwanger zu werden, nie wieder ein eigenes baby im Arm zu halten, dann kippe ich wieder in unbändige Trauer um alles, was wir gehen lassen mussten.

Vielleicht schaffen wir es irgendwann den Blick nach vorne zu richten, noch kann ich es nicht...
Du bist nicht alleine mit der Wut...

Viel Kraft wünscht dir

Tina
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  #5  
Alt 09.07.2013, 07:25
Benutzerbild von Biggi
Biggi Biggi ist offline
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Standard Wut ist ein fester Bestandteil der Trauer

Guten Morgen, meine Lieben,

ja, genau so ist es: Die Wut ist eine Ausdrucksform der Trauer.

Und : Hinter der Wut hat sich immer ein großer Schmerz versteckt.

Ist die Wut erst einmal da,
dann ist es schwierig, sie zu bremsen,
oder auch, sie gleich in die Kuschelarme zu nehmen.

Dort gehört sie am Ende zwar hin.
Doch bis es soweit ist, befinden wir uns in einem Prozess dorthin.

Zuerst kommt immer die Begegnung mit einem Gefühl.

Hier heisst es, die Wut anzunehmen,
und es ist absolut probat,
sie dafür e zunächst einmal zu hören.
Oder zu fühlen.

Bringen wir sie also zum Ausdruck.
Schreiben wir.
Schimpfen wir,
pöbeln wir,
seien wir selbst mal voll ungerecht.

Je mehr Ausdruck wir ihr verleihen,
desto mehr Luft lassen wir dadurch aus dem Wutballon,
desto mehr leert sich der ganze Eimer.

Weiter bräuchten wir nicht mal gehen.
Allein, den Dialog herzustellen, heilt.


Hier können wir jeden Anspruch auf eine Lösung fallen lassen.
Denn unser Unbewusstes wird in der darauf folgenden Zeit
seine Selbstheilung wieder aufnehmen und fortführen.

Das kann es nämlich ab genau dem Moment,
in dem wir ein Gefühl nicht mehr länger einsperren,
in dem wir es freilassen.

Ausgerechnet bei der Wut haben wir natürlich moralische Grenzen,
sie wirklich heraus zu lassen.
Das ist auch ziemlich gut so.
Diese Grenzen schützen unser soziales System.

Gleichzeitig muss die Wut aber irgendwo hin.

Sie darf nicht verschluckt bleiben.

Geben wir sie also irgendwo hin, wo sie an anderen Menschen keinen
Schaden anrichten kann.

Auf ein Blatt Papier,
gegen einen Punching-Ball,
oder in einen Lachkrampf.

Egal wohin.
Hauptsache, sie kann raus.

Dann richtet sie innen keinen Schaden mehr an.

und dann,
dann erst,
wenn das Eingesperrte freigelassen ist,
wenn unsere Wut wieder einigermaßen gesunde Ausmaße hat,
dann können wir viel besser sagen:

Meine Wut ich spüre dich,
und ich danke dir, dass du da bist.

Oft können wir an dieser Stelle uns auch schon vorstellen,
dass sie mal zur Seite tritt,
und wir den Schmerz ,
der sich hinter ihr versteckt hält,
mal sehen können.

das ist der Moment,
an dem man wirklich, wirklich begreift:

Liebe Wut,
du drückst meine Trauer aus.

Und du hilfst mir,
meinen Schmerz zu lindern.

Und unsere Dankbarkeit wird echt.

Lieber Gruß

Biggi


Birgit Zart

http://www.kinderwunschhilfe.de

Von mir ausgebildete Therapeuten in Eurer Region findet Ihr hier:
http://www.die-fruchtbarkeitsmassage.de

Auch auf Facebook könnt Ihr mich finden:
Kinderwunschhilfe Birgit Zart
sowie
Die Fruchtbarkeitsmassage- das Original nach Birgit Zart

Geändert von Biggi (09.07.2013 um 07:29 Uhr).
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  #6  
Alt 09.07.2013, 16:40
heidi70 heidi70 ist offline
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Hallo ihr Lieben,
vielen lieben Dank für eure Antworten. Wie immer ist es super, wenn ich meine Gefühle mit euch teilen darf, und es sogar noch andere Frauen gibt, denen es ähnlich geht.
Ich hatte schon die Vermutung, dass hinter der Wut die Trauer steckt. Ich hätte aber nie vermutet, dass sie eine so große Rolle bei mir spielt.
Ich habe die Fehlgeburt unglaublich positiv erlebt: ich hatte mir Zeit genommen, alles natürlich passieren zu lassen, ich hatte mich gedanklich von meinem Krümelchen verabschiedet, und kurz darauf ging es los - ein sehr bewegender Moment. Ich war danach richtig euphorisch, dass ich alles so gut überstanden und bewältigt habe - so in der Richtung : wow, was mein Körper alles meistert - schwanger werden zu können bis hin zur natürlichen Fehlgeburt.
Ich habe anschließend ganz vielen Leuten erzählt, wie positiv ich das Ganze sehe, und habe alle anderen getröstet, die spontan in Tränen ausgebrochen sind. Und habe für meinen Mann, der selbst zunächst völlig untröstlich war, die Starke gespielt und außer an dem Tag selbst, als wir die schlechten Nachrichten erfahren haben, nie mehr vor ihm geweint deswegen.
Das ging solange gut, wie ich selbst noch irgendwie im Mittelpunkt stand. Und nun, da ich aus dem Blickfeld gerückt bin, und meine Schwägerin im Mittelpunkt steht, bricht mein ganzes Konstrukt auseinander.

Ich werde mich mal an den Tipps versuchen - der Wut einen Raum zu geben. Ich muss mir noch überlegen wie ich das anstelle. Ein Brief an meine Schwägerin scheint mir eine gute Sache zu sein.
Ich habe tatsächlich auch meinem Bruder (der Ehemann dazu) von meinen Gefühlen erzählt, damit er einfach unlogische Reaktionen von mir besser einordnen kann. Das war ein wenig hilfreich. Meine Eltern wissen auch Bescheid, und versuchen mir zur Seite zu stehen, mit mir darüber zu reden. Trotzdem ist da dieses wahnsinnige Gefühl, das immer wieder hervorbricht. Ich hatte auch schon überlegt, meine Schwägerin damit zu konfrontieren, aber nach euren Rückmeldungen lasse ich das wohl lieber.

Und gebe meiner Wut anderweitig Raum.
Nächste Woche fahre ich ein paar Tage auf eine Auszeit auf der alm - vielleicht schreie ich da mal in die Berge....

Danke, dass es euch gibt, und ihr hier seid, wenn ich nicht weiter weiss!
Liebe Grüße
Heidi

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  #7  
Alt 09.07.2013, 17:18
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irishi irishi ist offline
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Liebe Heidi,
wir sind ja irgendwie 'partners in crime' was unser Alter und den Kinderwunsch angeht. Wenn du mich fragst, würde ich dir gar nicht raten, deine Schwägerin mit in deine Wut einzubeziehen. Denn ich glaube, dass diese Wut gar nicht wirklich mit ihr als Person zu tun hat.

Sondern du bist vielleicht einfach sauer auf das Universum und den ganzen Rest, der dir mit der Schwangerschaft erst einen Schoko-Riegel hinhält und ihn dann plötzlich fies grinsend wieder einkassiert. Deine Schwägerin ist dafür nur ein Platzhalter und ihr Bauch bzw. die Geschichte dazu sind einfach das Salz, das immer wieder in diese Wunde gerieben wird, wenn du daran denkst bzw. sie siehst. Und das brennt natürlich gar fürchterlich...und du bist zu Recht verd...t sauer auf das Schicksal oder den lieben Gott oder das Universum (oder was auch immer), dass es dir das antut. Aber bist du echt sauer auf deine Schwägerin?
Wegen der Schwangerschaft? Oder vielleicht, weil sie keine Akzeptanz dafür findet, dass Kinder haben gar nicht bei jedem so garantiert leicht geht, wie es bei ihr zufällig ging?

Stimmt das, was ich da vermute?
Schrei das Universum mal an. Tritt mal gegen einen dicken alten Baum. Der kann das ab. Ja, du hast erst deinen späten Kinderwunsch und dann auch noch die Fehlgeburt gut hingekriegt. Mensch, ich habe meine Totgeburt, meine Fehlgeburt und mein Asherman-Syndrom gut hingekriegt. Ja, wir können das mit dem Krisenmanagement, Heidi! Und das ist positiv, verd...t stark und gut. Und wir haben dennoch jedes Recht, wütend zu sein darüber, dass es bei uns aus unerfindlichen Gründen so schwierig ist und diese Krisen überhaupt da waren!!
Komm wieder in deinen Mittelpunkt, und leb deine Unzufriedenheit/Wut ruhig mal. Vielleicht fühlst du dann auch, was bei dir an der Wurzel dieser Wut ist. Ich glaube gar nicht, dass es echt deine Schwägerin ist - die ist nur die Statistin im Film.

Liebe Grüße,
Iris

Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht,
sondern die Gewißheit, daß etwas Sinn hat - ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.
(Vaclav Havel)

Stern Manon Caroline (*02.11.2010 still nach 29 Wochen) und die kleine Sternschnuppe (08/2012, 9. Woche), die ihr hinterher fliegt
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  #8  
Alt 09.07.2013, 20:34
heidi70 heidi70 ist offline
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Hallo Iris,
jaaa, jaaa, jaa - all diese Dinge, die du beschreibst, machen mich sauer, und noch so einiges mehr!
Es ist zum einen das Universum, das es mir so verdammt noch mal schwer macht, und mir den neuen Neffen / die neue Nichte gerade dann vor die Nase setzt, wenn ich selbst noch mit allem zu kämpfen habe.

Es ist der Verrat von meinem Bruder samt Schwägerin, die immer groß verkündet haben, dass sie mit 2 Kindern völlig bedient sind, und jetzt - oh Wunder - doch noch ein drittes bekommen.
Wahrscheinlich auch nur, weil die Zwillingsschwester meiner Schwägerin auch drei hat.

Es ist diese Lockerheit/Leichtigkeit, mit der meine Schwägerin schwanger wird. So völlig ungeplant, ach herrje!

Es ist die pure Ungerechtigkeit, dass sich im Umfeld immer alles um die schwangeren oder frischen Mütter dreht, und man selbst immer als liebe, nette Tante sich einen abrödeln muss, um alle Nichten und Neffen rund herum immer wieder zu besuchen und zu beglücken. Wie gern wäre auch ich mal im Mittelpunkt gestanden, und alle hätten auf mich Rücksicht genommen. Das nervt mich brutal, und selbst wenn die Kinder nichts dafür können, aber ich habe es sowas von satt, immer auf alle Rücksicht nehmen zu müssen. Warum darf ich mich nicht auch mal zurücklehnen?

Ich bin auch sauer, dass sie sich jetzt so zurückzieht - meine Schwägerin. Als wäre ich jetzt eine Aussätzige, und dürfte - wieder mal - nicht im Club der Mütter-to-be dabei sein. So hat sie mich immer behandelt, und da komm ich mir dermaßen Versager-mäßig vor. Ihre Kinder waren ja immer so was wertvolles (was sie ja auch sind, keine Frage), dass ich nur "unter Aufsicht" mit ihnen zusammen sein durfte. Wann durfte ich schon mal was mti meinem Patenkind alleine machen (er ist jetzt 6 Jahre alt!!). Ich bin ja keine Mutter, also habe ich auch keine Ahnung!

Wie supertoll war das im Januar, als ich mit meiner Schwangerschaft angeben durfte, und endlich das Gefühl hatte, auch mal dazu gehören zu dürfen!




So, vielleicht bzw. ganz sicher ist das alles völlig übertrieben und völlig emotional. Aber vielleicht ist auch hier ein wenig Platz, um meine Wutgefühle zu formulieren, und zum Kern der Geschichte vorzustossen. Ich weiß ziemlich sicher, dass viele alte Gefühle da mitschwingen - mich immer beweisen zu müssen, mich nur per "Leistung zu definieren", geliebt werden wollen - da ist ganz viel davon dabei.

Und ich weiß auch, dass ich verdammt stark bin, und so einiges verarbeiten kann - und teilweise auch sehr bewußt verarbeite. Das ist mir auch wichtig, und damit komme ich gut durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. DAnke, Iris, dass du mir das noch einmal bewußt gemacht hast.

Also schreie ich noch eine Weile weiter, trete meinen Baum und wüte vor mich hin. Und irgendwann ist da vielleicht auch mal die Luft raus.

Liebe Grüße vom Wüterich...
Heidi

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  #9  
Alt 10.07.2013, 07:26
Tinalein Tinalein ist offline
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Liebe Heidi,

Weißt du was ich für mich festgestellt habe?

Ich konnte auch alles relativ gut überstehen, aber jetzt merke ich , wenn ich mich von der Wuttrauer verabschiede, dann lasse ich den letzten Rest , der mit der Schwangerschaft zu tun hat, gehen. Und das kann ich nicht! Ich will diesen allerletzten Restfuzzel nicht aufgeben, ich will viel lieber wütend bleiben und dazwischen weinen, denn das ist alles , was mich noch mit dem glücklichen Zustand schwanger zu sein verbindet.

Ach Mensch ist das alles schwierig. Es wäre sooo viel leichter, wenn mir jemand sagen könnte, klar , kein Problem, es dauert vielleicht noch, aber sie werden auch noch schwanger werden..... Im Moment kann ich nur auf den Boden sehen, die letzten Tage vor dem Urlaub überstehen, was würde ich nicht alles für ein bißchen Hoffnung geben...

Du bist nicht allein. Lasß uns zusammen wüten.

Tina
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  #10  
Alt 10.07.2013, 08:42
heidi70 heidi70 ist offline
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Liebe Tina,
ja, das kann auch bei mir eine Rolle spielen. Das Ganze noch nicht völlig gehen lassen wollen - lieber noch ein wenig traurig und wütend sein. Ich habe zeitweise auch den Gedanken gehabt - was, wenn das jetzt meine letzte Chance war, was, wenn es nie wieder passiert?

Aber, auf der anderen Seite: nach langen, langen Jahren bin ich das erste Mal schwanger geworden. Also haben all meine Bemühungen, die ich die Jahre davor angestellt hatte, doch zum Erfolg geführt. Und ich kann schwanger werden! Mein Körper hat sich das gemerkt, und er und meine Seele wissen jetzt wie es geht. Also warten sie jetzt nur noch auf den richtigen zeitpunkt, wo das System wieder loslegen darf! Davon bin ich fest überzeugt, und solange ich regelmäßige Zyklen habe, denke ich nicht so sehr an dieses "Was, wenn....".
Also - es gibt Hoffung. Immer und überall! Solange du noch funktionierende Organe hast, einen lieben Mann an deiner Seite, ist alles möglich!

Hast du denn schon Kinder?

Einen wunderbaren Tag an dich und alle anderen hier im Forum!
Liebe Grüße
Heidi

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