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  #1  
Alt 20.04.2016, 16:23
Katinka* Katinka* ist offline
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Standard Diagnose-Schock "keine Spermien" (neu hier)

Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier, lese seit ca. 2 Jahren aber immer mal wieder hier mit. Je nachdem, was in meiner Kinderwunschzeit gerade so anstand. Ich bin 32 und seit 10 Jahren mit meinem wunderbaren Mann zusammen. Er ist zwei Jahre älter als ich. Wir verstehen uns sehr gut und haben gemeinsam viel erlebt, auch sehr traurige und schwierige Dinge (eine schwierige berufliche Veränderung bei mir, Tod meines Neffen kurz vor der Geburt in der 38. SSW, 6 Monate später Tod der Mutter meines Mannes). Immer wieder sagen wir uns ganz erfreut, wie froh wir sind, einander zu haben. Es liegt ihm sehr am Herzen, dass ich glücklich bin. Er ist großzügig und lustig und einfach genau der richtige. Wir sind beide sehr lebensfrohe und lebendige Menschen und bringen viel Schwung in die Bude. Aber seit wir uns ein Kind wünschen, kommt irgendwie alles ins Stocken. Wir warten nun seit Herbst 2013, also nun 2 1/2 Jahre auf ein kleines Wunder, das uns als Familie komplett macht. In der Zeit hat meine beste Freundin, die als mein Kinderwunsch schon sehr stark war, noch gar nicht daran gedacht hat, bereits zwei Kinder bekommen, obwohl ihr Partner anfangs erst gar nicht wollte (danach hat er sich aber ganz stark dafür entschieden, sie zwischendurch geheiratet und ist der stolzeste Papa, den ich kenne ). Naja, das kennen ja die meisten von euch, dass es schwer ist, wenn die anderen an einem "vorbeiziehen", obwohl man "zuerst die Idee hatte"...
Mittlerweile sind wir zurück in unsere Heimat gezogen, damals auch wegen der Krankheit seiner Mutter und weil wir die Unterstützung unserer Familien haben wollten, wenn wir Kinder haben. Außerdem haben wir ein schönes altes Haus gekauft, das wir mit viel Herzblut teilweise selbst renovieren, damit unsere Kinder ein schönes Zuhause haben werden. Ich setze mich schon lange mit meinem Kinderwunsch auseinander habe Biggis Bücher gelesen, zum (Luna)Yoga gefunden, und kontinuierlich versucht mein Leben entspannter zu bekommen, damit ein Baby sich hier wohlfühlen kann. Das war oft auch sehr aufschlussreich und hat mir Neues aufgezeigt, wofür ich dankbar bin. Mein Mann hat mir einmal zu Weihnachten ein Stück silberne Schnur geschenkt, als Symbol in Anlehnung an Biggis eine Traumreise, darüber habe ich mich so sehr gefreut. Sie hängt bis heute am Fenster und wenn ich sie ansehe, freue ich mich, dass mein Mann manchmal so süße Ideen hat und wir uns beide ein Kind wünschen.
Nun ist aber so viel Zeit vergangen und trotz Entspannen und Loslassenden und dann doch wieder Clearblue, der meine wunderschönen regelmäßigen Eisprünge anzeigte - nichts. Meine Frauenärztin riet Ende März nun doch mal zu Untersuchungen. Bei mir alles unauffällig. Aber leider nicht bei meinem Mann. Diagnose: Kein einziges Spermium gesehen. Er hat es mir gestern Abend gesagt und was soll ich sagen. Er tut mir so leid, ich habe ihn noch nie so geknickt gesehen. Der Arzt hat viele Fragen gestellt, ob er kurz zuvor krank war, Sauna? Sitzheizung? Kinderkrankheiten? Mein Mann konnte alles nur verneinen. Wir haben derzeit beide beruflich viel Stress, dazu der Hausbau und wir wohnen seit über einem Jahr zusammen bei meinem verwitweten Schwiegervater unterm Dach, bis das Haus fertig ist - die Situation ist eh nicht einfach und jetzt auch noch das. Der Arzt sagt, dass auf jeden Fall ein zweites SG hermuss. Das kann ein "Ausrutscher" sein. Zuerst haben wir das im Gespräch miteinander immer wieder betont, aber später am Abend hat mein Mann gesagt, dass er denkt, dass das Ergebnis wieder so sein wird und dass es an ihm liegt. Und ich wollte es nicht, aber ich musste gestern Abend dann auch weinen. Ich schwanke ganz schrecklich zwischen dem Gefühl ihn nur trösten zu wollen und das jetzt nicht zu schwer zu nehmen und abzuwarten und der schrecklichen Vorahnung, dass es jetzt wirklich so kommt, wie wir befürchtet haben: Dass wir nur mit fremder Hilfe ein Kind bekommen können, wenn überhaupt. Und dem ätzenden Gedanken, dass mein Liebster sich jetzt irgendwelchen fiesen Tests absetzen muss. Ich fühle sehr stark, dass wenn das so sein soll, dass wir davor aber eine Pause brauchen, weil wir das jetzt nicht auch noch schaffen! Und heute, wo ich einen Tag drüber geschlafen habe, breche ich ständig in Tränen aus. Das hatte ich noch nie. Ich habe oft im Badezimmer geweint, wenn ich meine Tage bekommen hatte und es wieder nicht geklappt hatte, aber da habe ich mich schnell wieder gefangen und gedacht, das wird schon und "Neuanfang". Jetzt schluchze ich, wie ein kleines Mädchen. Und so fühle ich mich, klein und am Ende. Es ist unaufhaltsam und kommt in Wellen und ich kann nichts machen. Es schüttelt mich nur so. Ich bin heute wegen Krankheit zuhause, daher kann ich "es einfach laufen lassen", was auch gut tut. Aber ich weiß zurzeit echt nicht, wie ich weitermachen soll. Ich will, dass es meinem Mann wieder gut geht und er nicht so niedergeschmettert ist. Er hat so traurig geschaut. Es hat mir das Herz gebrochen.

Ich freue mich über jeglichen Zuspruch und vielleicht auch Nachricht von jemandem unter euch, der auch so eine miese Diagnose bekommen hat. Wie ging es weiter?

Ich bin froh, dass ich endlich selbst hier schreibe, das tut gut.
Hoffe, das war nicht zu wirr und ihr könnt mich verstehen.

Katinka*

Geändert von bata (20.04.2016 um 18:10 Uhr).
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  #2  
Alt 20.04.2016, 16:28
Katinka* Katinka* ist offline
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Hm, jetzt habe ich neben die Betreffzeile versehentlich einen blöden Smiley gesetzt, das passt nun so gar nicht zur aktuellen Lage. Vielleicht weiß jemand, wie ich den wegbekomme?

Liebe Grüße
Katinka*
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  #3  
Alt 20.04.2016, 23:02
Tessie Tessie ist offline
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Liebe Katinka, Deine traurigen Zeilen haben mich sehr berührt und ich möchte deshalb nicht vorbei gehen ohne zu versuchen Dich ein wenig zu trösten. So ein Schreck! Ich kann mich noch gut erinnern wie das ist. Lass die Tränen ruhig fließen, die müssen raus.
Du schreibst, wie sehr Du damit haderst, dass ihr vielleicht Hilfe braucht um ein Baby zu bekommen und ich weiß noch, genau so ging es mir auch. So unpassend fand ich das für uns, wir sind doch so ein tolles, verliebtes Paar ...
Um so etwas zu akzeptieren braucht man, glaube ich einfach Zeit. Da draußen gibt es Möglichkeiten für Euch Eltern zu werden und wenn Ihr so weit seid, dann nehmt Ihr sie wahr. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es nachher keine Rolle mehr spielt wie das Baby in Deinen Bauch kam.

Es grüßt Dich ganz herzlich
Tessie
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  #4  
Alt 21.04.2016, 08:05
Katinka* Katinka* ist offline
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Liebe Tessie,

ich danke dir von ganzem Herzen für deine liebe Antwort. Ja, das schreibst du schön "so unpassend fand ich das für uns, wir sind doch so ein tolles, verliebtes Paar". 10 wunderbare Jahre haben wir schon auf dem Buckel und andere fragen immer, wie macht ihr denn das? Ihr lacht so viel miteinander und redet über alles. Tja, das ist einfach so, wir passen einfach gut zusammen. Aber die Problematik, mit der wir jetzt wohl zu kämpfen haben, das ist eine andere Hausnummer. Ich denke, das wird eine große Probe. Mein Wunsch nach einem Kind ist so stark. Meine beste Freundin hat gerade am Sonntag ihr zweites Kind bekommen und zwei Tage später müssen wir so etwas hören. Da geht bei mir alles durcheinander.

Was schön ist: Mein Mann wirkt schon wieder entspannter und war gestern fast gut drauf. Er hatte ganz viele tolle Sachen für unseren Hausbau organisiert und da tut sich ganz viel. Er macht das so großartig. Abends im Bett haben wir nochmal kurz über das Thema gesprochen. Er hat es angesprochen und sagte, er habe gelesen, dass es an seinem Leistenbruch als Kind liegen könnte und dass er denkt, dass kein zweites SG sinnvoll wäre, weil die Sache doch klar wäre. Da habe ich natürlich widersprochen. Wahrscheinlich macht es ihm einfach Angst und das kann ichgut verstehen, die habe ich auch, aber ein einziges SG reicht doch nicht aus. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung und sie finden beim nächsten Mal wenigstens ein paar Schwimmer. Ich hatte ganz verquollene Augen abends und er hat mich dann auch einfach so gestreichelt und mir so gezeigt, dass er weiß, wie traurig ich bin, ohne dass wir da jetzt nochmal konkret drüber geredet haben. Ich möchte ihn mit meinen Katastrophengedanken zur Zeit nicht noch weiter runterziehen. Es muss sich alles noch weiter setzen. Ja, Zeit braucht man, um zu akzeptieren und über den eigenen Weg nachzudenken.

Tessie, darf ich fragen, was eure Diagnose war und wie das Baby schließlich "in deinen Bauch kam"? Ich denke, dass ich schon bereit bin, Schritte in Richtung künstliche Befruchtung oder was bei uns dann angesagt ist, zu machen. Aber ich habe große Angst, vor dem, was da so alles auf einen zukommt. Da freue ich mich natürlich über positive Geschichten.

Danke, danke, danke für deine Antwort.
Katinka
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  #5  
Alt 21.04.2016, 09:27
Nicole B Nicole B ist offline
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Hallo Katinka

Fühl dich von mir mal ganz lieb in den Arm genommen - wenn du magst.
Dein Post erinnert mich an den Nikolaustag 2007 und die Tage danach, als wir unsere Diagnose erhielten resp. das Resultat des ersten Spermiogramms. Es war nicht ganz so wild, da es Spermien enthielt, aber der Weltuntergang war wohl ähnlich schlimm wie du es beschreibst, mein Mann war sehr geknickt. War doch das Motiv für das Spermiogramm lediglich, auszuschliessen dass die Ursache bei ihm liegt bevor bei mir getestet und gedoktert würde - es war dann schnell klar was die Ursache ist. Die Untersuchungen welche dann folgten bei ihm waren übrigens nicht schlimmer als jede gynäkologische Untersuchung bei uns Frauen. Einige Blutentnahmen, ein erneutes Spermiogramm, manuelle Untersuchung beim Andrologen. Bei Euch kommt möglicherweise eine Punktion der Hoden dazu, um zu schauen ob es Spermien darin hat, welche allenfalls für eine ICSI verwendet werden können (TESE)

was dann folgte war ein sehr schwieriger Teil unserer Kinderwunschgeschichte: Sich damit abfinden dass es "einfach so" nicht klappen wird. Die Ängste vor der Behandlung bewältigen und herauszufinden wie wir am besten damit umgehen - einzeln und als Paar. Dies ist ein Prozess für den wir viel Zeit brauchten, der viele Tränen, aber auch schöne Gespräche mit sich brachte. Auch Streit, Missverständnisse. Positiv war aber, dass es auch viel Druck raus nahm aus unserem Liebesleben. Da klar war, dass das vermutlich nichts wird beim romantischen Tête à tête nahm viel Druck heraus. Auch das Zyklus-Auf-und-Ab der Gefühle beruhigte sich wieder - ich fühlte mich irgendwann ähnlich als würde ich verhüten.

Wir versuchten es noch mit IUI und näherten uns damit dem ganzen Prozedere an. Allerdings wurde bald klar, dass es wirklich ICSI braucht - die weiteren SG-Befunde waren weiterhin bescheiden und auch zu schlecht für IVF. Zu diesem Zeitpunkt waren wir dann auch bereit dafür und starteten ins Abenteuer ICSI. Gleich im ersten Punktionszyklus wurde ich ss - ich konnte es nicht fassen dass wir auf einmal ein solches Glück haben sollte. Es hielt auch nicht lange - in der 6. SSW bekam ich Blutungen und der Traum war vorbei. Es folgte viel Hadern, 4 erfolglose Kryozyklen - ein sehr schwieriges, anstrengendes Jahr. Wir wechselten nach diesen Kryos ins Ausland, um bei meinen Voraussetzungen Blastozystentransfer nutzen zu können. (es war zu erwarten dass ich wieder viele Eizellen hätte und dann die Transfers wieder viel Zeit beanspruchen würden. Es ist aber so dass nur wenige Eizellen tatsächlich das Potential zum lebenden Kind haben. Dank Blastozystenkultur findet die Selektion im Labor statt und nicht wie beim Tag 2/3-Transfer erst in der Gebärmutter.) Ich wurde auf Anhieb schwanger und gebar dann unsere Tochter. 2 Jahre später folgte nach "nur" 2 Transfers unser Sohn. Eine 3. SS folgte 2015 im ersten Transfer - leider FG. Danach wieder eine Durststrecke mit 5 neg. Transfers. Nun bin ich im 6. Transfer von erstmals 2 Blastozysten wieder ss - mit Zwillingen.

Insgesamt hatte ich 6 stimulierte Zyklen und 8 Kryozyklen. Die Behandlung habe ich gut vertragen, obwohl es jedes Mal zu einer milden bis mittleren Überstimulation kam. Ich fand es nie so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte - natürlich auch nach Berichten aus Medien und Internet... Am schwierigsten war für mich jeweils die Spannung zu ertragen ob es geklappt hat oder nicht. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass man im Normalfall eine ICSI schafft, wenn man sich eine SS zutraut. ;-)

Ich hoffe meine Geschichte macht dir ein bisschen Mut, indem du siehst, dass man sich schrittweise an alles annähern kann. Wichtig finde ich, dass man in einer Klinik ist wo man sich gut betreut fühlt, alle Fragen stellen kann und auch in nützlicher Frist die Antworten kriegt. Hier lohnt es sich wirklich sich umzuschauen und allenfalls auch einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen. Es gibt vielleicht immer wieder Tiefschläge, aber auf einmal kann sich auch alles wenden. Ich wünsche dir/euch sehr dass sich einige Spermien finden! Es braucht sooo wenige für ICSI. Meine Daumen sind gedrückt!

Liebe Grüsse
Nicole

** '08, '15
Mädchen (2010) und Junge (2012) an der Hand
Zwillingsmädchen (10/2016) im Arm
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  #6  
Alt 21.04.2016, 10:26
Katinka* Katinka* ist offline
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Liebe Nicole,

ach, danke für deine ausführliche Geschichte. Das macht mir wirklich Hoffnung. Wir müssen jetzt halt mal schauen, ob wir nicht doch Spermien bei meinem Mann finden können. Davor habe ich große Angst, dass da gar keine sind. Eine Bekannte hat mir vor kurzem erzählt, dass ihr Mann wegen einer Hodenkrampfader ein schlechtes Spermiogramm hat und sie ist nun durch eine Insemination mit selektierten Spermien im ersten Anlauf schwanger geworden und nun bereits im 7.Monat. Da kannte ich unser Ergebnis noch nicht und dachte, ach toll, das ist dann vielleicht auch unser Weg, wenn das SG nicht so gut ist. Aber nun haben wir diese Nulldiagnose. So schlimm hätte ich es nicht erwartet. Ich glaube es einfach nicht. Aber ich muss mir immer wieder sagen, dass es das erste Testergebnis ist und wir erst am Anfang stehen. So alt bin ich auch noch nicht, es bleibt noch viel Zeit, denke ich. Auch um nachzudenken und ein paar andere Dinge in unserem Leben zu ordnen (die Wohnsituation und bei mir auch berufliches). Gerade kommt es einfach wieder dicke, irgendwie ist einfach der Wurm drin.

Aber deine Geschichte baut mich so auf. Wie schön, dass du schon zwei Kinder hast und jetzt auch noch Zwillinge. Wie wunderschön. Aber ihr habt auch viel auf euch genommen, immer wieder. Wie ist denn dein Mann mit all dem umgegangen? Musste er auch eine Hodenpunktion machen und wenn ja, war das schlimm für ihn? Ich stelle es mir auch schwer vor, während all dem zu arbeiten und ein "normales" Leben zu führen. Darf ich auch fragen, wie alt du bist bzw. warst als du deine Kinder bekommen hast? Meine Uhr tickt so laut, das nervt echt sehr. Ich mache mir schon auch Sorgen über die Kosten, wir haben ja nun einen Hauskredit und so, das ist dann vielleicht auch nicht so einfach.

Mit dem Kinderwunschzentrum hier in unserer Stadt muss ich mich erst noch vertraut machen. Meine Bekannte ist dort in Behandlung und war ganz zufrieden mit der Atmosphäre dort, sagte aber schon, dass es doch sehr medizinisch zugeht. Das ist wohl oft so. Ich würde mir schon wünschen, dass man auch aufgefangen und bestärkt wird, das werden wir ja sehen. Meine Frauenärztin arbeitet mit ihnen bzw. ihrem Labor zusammen und dort wurde nun mein Hormonstatus ausgewertet, die Besprechung war dann aber mit meiner FÄ. Mein Mann war für seinen Test dann allein vor Ort und hat die Probe abgegeben. Das Ergebnis hat er mit einem der Ärzte am Telefon besprochen. Wir müssten uns also erstmal ein gemeinsames Bild machen und nach dem nächsten Spermiogramm dann mal einen Beratungstermin machen. Ich möchte meinem Mann aber die Zeit lassen, selbst zu sagen, wann er bereit dafür ist. Er ist zur Zeit wirklich an allen Ecken und Enden eingespannt, das ist so viel und für die Beratung und die (wahrscheinlich folgenden?) Behandlungen braucht man sicher Kraft und einen freien Kopf. Ach Mensch, dieses Ergebnis ist wirklich schlimm genug und trifft uns leider auch noch in einer sehr anstrengenden Lebensphase, in der es schon genug Trauriges und Anstrengendes gab.

Wie gern hätte ich eine Kristallkugel und wüsste, ob wir irgendwann auch Eltern sein können... Ich bin so ein Familientier, wir beide sind das. In meiner Familie haben fast alle drei oder vier Kinder. Ich bin immer fest davon ausgegangen, dass mein Leben auch so aussehen wird und nun kommen meine Lebensträume so ins Wanken.

Ich bin so froh, dass ich mich hier im Forum offenbaren und austauschen kann. Mein Mann möchte zur Zeit nicht, dass ich Freunden oder Familie davon erzähle. Ich hatte im Vorfeld zwei Freundinnen gesagt, dass er sich untersuchen lassen wird und das fand er nicht so gut. Ich kann es auch verstehen, weil sie jetzt natürlich nach dem Ergebnis fragen und es ist ihm im Moment einfach zu viel und zu intim und er möchte erstmal selbst damit klarkommen. Er meinte am Ende des Gesprächs, wenn es für mich wichtig sei, mich mit meinen engen Freundinnen darüber auszutauschen, dann wäre es auch okay, wenn ich das brauche, aber ich habe die Botschaft klar verstanden: Es ist ihm gar nicht recht und er fühlt sich unwohl damit. Ich habe mir vorgenommen das zu respektieren. Ich werde ihn später mal fragen, mit wem ich es besprechen kann und dann machen wir gemeinsam aus, wer was wissen darf. Ich darf ihn nicht vergessen und nicht einfach bloßstellen. Ich sehe in dieser Phase oft nur meine Wünsche, Sehnsüchte und Gedanken und bin mit meinen Freundinnen sehr sehr offen. Das hat ihn früher schon manchmal sehr gestört. Beim Thema Kinderwunsch ist es schwer, denn zu der Geschichte gehören wir nunmal beide. Ich habe meiner besten Freundin gestern nur gesagt, dass es nicht leicht werden wird und dass ich keine Details sagen will, weil wir entschieden haben, das erstmal mit uns abzumachen. Sie wird sich ihren Teil nun denken, weil ich nicht anders konnte und am Telefon bitterlich geweint habe, allein schon als ich nur ihre Stimme gehört habe. Deswegen bin ich froh, hier schreiben zu können, was in mir vorgeht. Wenn ein bisschen Zeit vergangen ist werden wir nochmal sprechen, wen wir "einweihen" und wen lieber nicht.
Wie habt ihr das gemacht?

Ich überlege auch gerade, ob ich in eine Gesprächstherapie gehen sollte. Bei mir hat sich so viel angestaut und ich fühle mich so verletzlich und labil. Hat das jemand von euch gemacht? Habt ihr Tipps?

Nicole, ich wünsche dir für deine Schwangerschaft nur das Allerbeste, Gesundheit, Zuversicht, viel liebe und Ruhe. Ich danke dir sehr fürs Schreiben.

Katinka
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  #7  
Alt 21.04.2016, 13:48
Nicole B Nicole B ist offline
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Liebe Katinka

Ui, das sprudelt ja nur so bei dir - da kommt gerade einiges zusammen!
Ist aber völlig normal in der Situation... Versuche einfach nur das anzugehen, was im Moment gerade wichtig ist. Schritt für Schritt! Kraft einteilen ist wichtig!

Mein Mann musste keine Hodenpunktion machen. Das SG reichte für ICSI.
Allerdings spritze er sich für ein Vierteljahr mehrmals wöchentlich Hormone weil man dachte damit das SG normalisieren zu können. Ich werde nie vergessen wie er sich die Spritze einfach ins Bein rammte, er stellte sich da so gar nicht an, obwohl er sonst nicht unempfindlich ist Medizinischem gegenüber. Leider verbesserte es sich dadurch dann doch nicht.

Das normale Leben zu führen war gar nicht mal so schwierig. Man gewöhnt sich irgendwie an den Rhythmus der Behandlung. Wir hatten aber das Glück dass wir beide Arbeitsstellen mit einer gewissen Flexibilität hatten und somit ohne gross Rechenschaft abzulegen die Termine wahrnehmen konnten. Ab der 2. ICSI war das Ganze sehr planbar, weil sich der Punktions- und somit der Transfertag nur jeweils auf 2 Tage variierten, der Transfer viel öfter auf Sonntag.

Kosten: In der CH ist kein einziger Rappen bezahlt für IVF/ICSI, keine Kontrolle, kein Medikament. Wir sahen es so, dass ich ja wesentlich länger gearbeitet habe als mit spontaner Empfängnis geplant und so habe ich mit meinem Gehalt das Ganze finanziert. ;-)

Kraft: Die brauchst insbesondere Du. Freier Kopf ist vielleicht nicht mal so wichtig, kann auch gut sein Ablenkung zu haben. Wichtig ist dass man das Ganze terminlich gut regeln kann. Bei der ersten ICSI braucht es doch einige Kontrollen dass nix schief geht. Unbedingt bei der Auswahl der Kiwu berücksichtigen, wie man das mit den Terminen handhabt. Tipp: Kiwu suchen welche auch US von einem Gyn in der Nähe des Wohn- oder Arbeitsortes akzeptiert, dann fällt viel Wegzeit weg. Kiwu bevorzugen, welche Randtermine früh am Morgen für die Kontrollen vergibt. Für die erste ICSI kann es hilfreich sein, für die Woche der Punktion/Transfer Ferien zu nehmen, dann kann man stressfrei in das Ganze starten. Sollte es mehrere Anläufe brauchen, sind oft nicht mehr so viele Kontrollen notwendig weil schon besser abzuschätzen ist, wie Frau auf die Medikamente reagiert.

Lebensträume: Willkommen im Club... Oft stösst man erst mit dem Kiwu an Grenzen, weil vorher einfach alles immer irgendwie erreichbar war. Mich hat das Ganze verändert: Ich bin demütiger geworden und dankbarer. Wahrscheinlich wäre ich nicht die, welche ich heute bin ohne das Ganze. Es war ein steiniger Weg dahin, wo wir jetzt stehen und wir sind unendlich dankbar dass es die Möglichkeiten der Unterstützung gibt.

Alter: Bei meiner ersten Geburt war ich knapp 34, nun werde ich knapp 40 sein.

Austausch: Ich habe meist mitgeteilt, dass es Probleme gibt, aber die Diagnose für mich behalten. Nur wenige Freunde/Mitglieder der Familie wissen dass der Grund bei GG liegt. Ich fand das nur fair. Fürs diskutieren spielt es ja eigentlich keine Rolle. Da reicht es wirklich, mitzuteilen dass man IVF/ICSI machen wird. In deinem Fall wäre ich besonders vorsichtig mit dem "Nullspermiogramm". Solltet ihr irgendwann vielleicht sogar entschliessen (müssen) Spenderspermien für Euren Weg in Anspruch nehmen zu wollen kommen dann vielleicht die falschen Fragen im falschen Moment. Und es kann auch nicht sein dass dann später die Kinder - vielleicht durch blöde Zufälle - von aussen über ihre Entstehung informiert werden. Besonders vorsichtig sind und waren wir deshalb im nächsten Umfeld/Nachbarschaft. Eine einmal gegebene Information lässt sich nicht mehr zurückholen! Geht ja eigentlich nur euch 2 wirklich etwas an und um sich mit Freundinnen auszutauschen braucht es keine genauen Diagnosen. Ich habe überhaupt keine Mühe, zu unseren ICSI zu stehen, aber ich wollte in diesem Punkt meinen Mann auch schützen und war nur dann ganz offen, wenn es auch OK war für ihn. Du denkst da schon in die richtige Richtung. Es ist ein sensibles Thema. Ich glaube für Männer ist es noch schwieriger Probleme einzugestehen im Bereich der Fortpflanzung als für uns Frauen.

Gesprächstherapie: Am Tiefpunkt meiner Kiwu-Geschichte (nach 3 erfolglosen Kryos und der 1. FG) habe ich einige Male einen Psychologen besucht. Das hat mir in diesem Moment sehr geholfen, die Situation zu überdenken und mir mit einigem klar zu werden. Irgendwie half es mich neu zu sortieren und mit der Situation umzugehen. Ich wurde danach ruhiger und konnte mit neuer Energie weitermachen. Es folgte dann nochmals eine erfolglose Kryo, die konnte ich aber gelassener nehmen. Im nächsten Frischzyklus, den wir wirklich wieder viel frischer in der neuen Klinik machen konnten, hat es dann endlich geklappt und die Karten waren total neu sortiert auch für die Geschwister. Da kam unendlich viel Vertrauen zurück mit dem Erlebendürfen einer mehr oder weniger komplikationsfreien Schwangerschaft und Geburt.

“Klinik ist sehr medizinisch": Das ist in den meisten Fällen so. Und es ist wohl auch richtig so, dass sie sich auf ihren Bereich konzentrieren und der ist nun mal sehr technisch. Begleitung würde ich mir von der Kiwu-Klinik nicht erwarten. Eine gute Möglichkeit ist es aber vielleicht, sich ausserhalb eine Begleitung zu suchen. (Kinderwunsch-Coach, Akupunktur, Psychologe...), wenn das Bedürfnis danach besteht. Kann auch punktuell sein. Ideal ist es jemanden zu finden der sich wenigstens ein bisschen mit dem Prozedere IVF/ICSI auskennt.

Liebe Grüsse
Nicole

** '08, '15
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  #8  
Alt 21.04.2016, 16:02
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Glueck Glueck ist offline
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ich wünsche dir alles, alles Gute und hoffe, ihr kriegt doch noch ein Kind
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  #9  
Alt 21.04.2016, 16:53
Katinka* Katinka* ist offline
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Liebe Nicole,

ja, das sprudelt nur so bei mir, das stimmt. Im Moment ist alles durcheinander und weil ich auch noch krank zuhause bin, denke ich den ganzen Tag nach. Ich hoffe, ich fange mich bald und kann etwas Abstand gewinnen. Ich danke dir sehr für deine guten Tipps, deine Offenheit und dass du dir soviel Zeit zum Schreiben nimmst. Es ist so schön sich mit Frauen auszutauschen, die Ähnliches erleben und fühlen. Wie gut, dass es dieses Forum gibt.

Ich habe jetzt schonmal die Adresse einer psychologischen Kinderwunschbegleiterin hier bei uns in der Stadt gefunden. Vielleicht gehe ich da bald mal hin. Sie arbeitet mit dem Kinderwunschzentrum hier zusammen. Das finde ich schonmal positiv, dass sie auch jemanden für die emotionale Seite im Team haben. Und sie kennt sich dementsprechend mit den Behandlungsmöglichkeiten aus.

Der Gedanke, mein Gehalt für den Kinderwunsch einzusetzen, gefällt mir gut.

Und du hast sehr recht: Ich muss meinen Mann und seine Gefühle schützen. Ich versuche jetzt erstmal nur mit ihm weiterzukommen bzw. runterzukommen. Genaue Diagnosen nenne ich niemandem, bis wir gemeinsam entscheiden. Ich habe heute nach Möglichkeiten für einen kleinen Kurztrip gesucht. Wir müssen hier mal raus und haben in 2 Wochen Beziehungsjubiläum. Wenn das kein Anlass ist

Zunächst müssen wir unsere Gefühle ordnen und ein paar schöne Sachen machen, damit dieser Druck nachlässt.

Und dir, Glueck, danke ich auch sehr für den guten Wunsch, ich hoffe, dass er in Erfüllung geht.

Alles Liebe
Katinka
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  #10  
Alt 09.02.2019, 14:14
Katinka* Katinka* ist offline
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Standard Azoospermie - und es gibt doch Hoffnung :)

Hallo in die Runde,

ich wollte einfach mal von mir hören lassen und kurz erzählen, wie es bei uns weiterging.

Nachdem wir 2016 erfahren haben, dass bei meinem Mann keine Spermien im Ejakulat zu finden sind, haben wir nach einer Zeit des Aufrappelns (es gab weitere tiergehende Belastungen) viele kleine weitere Schritte gemacht.
Wir haben das Kinderwunschzentrum gewechselt. Beim ersten ist man so unsensibel mit meinem Mann gewesen, dass er dort nicht mehr hinwollte und ich habe das völlig unterstützt. Dann gab es eine genetische Untersuchung und schließlich eine Überweisung zu einer spezialisierten andrologischen Abteilung in einer großen Uniklinik. Dort wurde mein Mann dann letzten November operiert. Eine Mikro-TESE. Und wir durften erfahren: Es wurden Spermien gefunden.

Wir haben uns so sehr gefreut! Unser nächster Schritt ist, die kostbaren kleinen Zellen meines Mannes zu uns nach Hause ins Kinderwunschzentrum zu bringen.
Und dann machen wir einen Termin für eine erste ICSI.
Ich bereite mich innerlich und körperlich mit Hilfe meiner Kinderwunsch-Heilpraktikerin vor und es geht mir so gut, wie seit Jahren nicht.
Beruflich stehe ich auf festen Beinen, weitere größere Steinbrocken, die uns im Weg lagen, konnten wir gemeinsam beiseite räumen.
Insgesamt hat es eine lange Zeit gebraucht, bis wir nun an diesem Punkt stehen. Aber rückblickend bin ich froh, dass wir so viel Zeit hatten, uns um viele Hindernisse zu kümmern. Ich habe so viel gelernt aus dieser Zeit, so viel kennengelernt, meditiere regelmäßig, habe einen wundervollen Luna Yoga Workshop besucht, bin gütiger zu mir selbst und erlaube mir wieder zu hoffen.

Ich blicke frohgemut in die Zukunft und hoffe sehr, dass 2019 ein leichteres, schönes Jahr wird, in dem sich vielleicht, vielleicht ein kleines Wunder zu uns auf den Weg macht.

Eine virtuelle Umarmung an alle, die das hier lesen.

Katinka
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