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  #1  
Alt 11.07.2018, 03:16
Benutzerbild von Saskia1987
Saskia1987 Saskia1987 ist offline
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Registriert seit: 11.07.2018
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Standard Mein Weg zur Traurigkeit

Hallo ihr lieben da draußen,

Ich hätte nie erwartet, dass ich irgendwann mal nachts auf der Couch sitze und mich Trauer mit solcher Wucht trifft und ich mich in einem Forum anmelde! Erstmal vielen Dank für die Aufnahme!
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll...

Wir, das heißt mein Lieblingsmensch und ich hatten seit Januar 2018 großen Kinderwunsch. Durch verschiedene Faktoren entschlossen wir uns bis März 2018 zu warten. Gesagt getan. Nuvaring Anfang märz 2018 abgesetzt und schon im 2. Zyklus blieb meine Periode aus. Ein positiver Schwangerschaftstest am 5.5. machte uns unglaublich glücklich. Nach 15 Jahren Pille/ Nuvaring so schnell schwanger. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wir freuten uns schon ab dem ersten Tag seit wir wussten wir sind zu dritt unterwegs. Da ich im Kindergarten arbeite musste ich auch ziemlich schnell alles genau wissen.

Also am 7.5. bei meinem Frauenarzt angerufen. Die Arzthelferin meinte: "oh dann kommen Sie mal am 17.5. Da sieht man auf alle Fälle schon was auf dem Ultraschall."

Mein Kind wuchs innerlich in mir. Es hört sich vielleicht doof an,aber gedanklich war mein Kind riesengroß und perfekt. Ab dem ersten Moment seit ich wusste, dass ich Mama werde. Am besagten Termin sind mein Lieblingsmensch und ich zum Frauenarzt hin. Die Diagnose ließ zum ersten Mal dieses großartige Bild von meinem Kind zusammen brechen. Man sah laut Frauenarzt einen Dottersack und vermutete nur ein Embryo, würde mich eine Woche in der Schwangerschaft zurückstufen.
Ich sollte 2 Wochen Geduld aufbringen und dann noch mal zum Ultraschall kommen. Er meinte, eine Woche später würde man noch nicht viel mehr sehen. Doch ich wollte nur eine Woche warten. Ich wusste mein Kind wird im nächsten Ultraschall zu sehen sein.

Als wir aus der Arztpraxis gingen, stiegen mir zum ersten Mal Tränen in die Augen. Mein Schatz verstand mich in dem Moment gar nicht. "Wir werden Eltern" war seine freudige Aussage. "Nein, es ist nur ein Dottersack und er vermutet nur ein Embryo."

Das war die längste Woche, die man sich nur vorstellen kann. Eine woche später bzw. Eigentlich nur sechs Tage (23.5) später, kam die nächste Ultraschall Untersuchung. Mir stiegen Tränen in die Augen vor Glück- wir sahen den Herzschlag von unserem Baby! :-)
Wir waren die glücklichsten Menschen! Unser Traum war wahr geworden.

Am 31.5. Sah ich noch mal den Herzschlag unseres Flöckchens, weil ich auf Grund von Dehnungsschmerzen noch mal beim Fa war.
Dann hatte ich meine normalen Schwangerschaftsbeschwerden. Ich war glücklich und zufrieden. :-)
Nun stand der nächste Ultraschall Termin an, am 27.6. (11+6, also 12 ssw.) Die Nacht vom 26 auf den 27. schliefen wir total schlecht. Wir konnten nicht einschlafen, waren sehr nervös und unruhig. Morgen sahen wir unser flöckchen wieder. Dann hieß es nur noch 2 Tage durchhalten und die erste kritische Zeit wäre um. Am 28.7 wäre ja die 13 Woche angefangen.

Es kam aber alles ganz anders. Der Frauenarzt schallte sehr lange... es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Er zoomte ran, er zoomte raus... und seine Miene wirkte wie versteinert. Irgendwann konnte ich es nicht mehr aushalten und fragte ihn: "Ist alles okay?"

Er riss mir mit seiner Antwort die Füße unter den Beinen weg. "Nein es ist leider nichts in Ordnung. Ich kann keinen Herzschlag mehr feststellen!" Diagnose: Missed Abortion! Vorraussichtlich verdickte Nackenfalte, Vermutung auf Trisomie 13 oder 18.

Für mich brach eine Welt zusammen und an diesen Tag kann ich mich im Rückblick kaum noch erinnern. Wie der FA danach mit mir sprach? - Ich weiß es nicht! Wie ich mich anzog? - Ich weiß es nicht! Wie ich nach hause kam? - Ich weiß es nicht.
Zu Hause weinten wir bittere Tränen und konnten noch nicht mal selbst so klar sprechen, dass wir im KH hätten anrufen können. Wir waren fix und alle.

4 Stunden später saßen wir dann endlich im KH. Untersuchung mit Bestätigung der Diagnose und wie wir nun verfahren könnten. Eine sehr liebe Ärztin behandelte mich. Aber laut beiden Ärzten musste eine Ausschabung sein. Aber die Ärztin im KH ließ mich entscheiden, wann ich dafür bereit wäre, denn eigentlich müsste ich erstmal alles realisieren.
Einen Tag später wollte ich den Eingriff durchführen lassen. Ich habe noch nie so viel Trauer und Schmerzen über den Verlust von jemanden so gelitten und geweint.
Am Tag, als ich eigentlich aus der kritischen Zeit rauskommen sollte, nahm man mir das größte Geschenk. Ich wachte auf und fühlte eine große Leere in mir. Auch wenn ich noch keinen Babybauch hatte, war da einfach nichts mehr. Seit dem geht das Leben weiter, mein Lieblingsmensch versucht mir meinen Alltag wieder aufzubauen. Das klappt nicht immer.

2 Wochen ist das jetzt her und die Tränen gehören Tag täglich zu mir. Die ersten 3 Tage war ich nur zu Hause und wollte keiner Menschenseele begegnen. Danach nur ausgewählte Menschen.

Wie kann man etwas so sehr vermissen, was noch gar nicht so lange da war?
Wie soll ich meinen Alltag wieder aufnehmen, wenn zu meinem Beruf schon Kinder gehören? Im Moment werde ich schon sehr traurig, wenn ich fremde Säuglinge mit ihren Mamas oder Papas sehe! Das Glück war so nahe und zerbrach mit so einem kleinen Satz! Ich kann es immer noch nicht ganz verstehen!

Lg und danke für das Lesen des langen Textes!
Saskia
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  #2  
Alt 11.07.2018, 09:06
Petra_Andrea Petra_Andrea ist offline
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Registriert seit: 29.07.2005
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Beiträge: 368
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Liebe Saski,

Ein leises Willkommen hier in diesem Forum.

Es tut mir unendlich leid, dass Du deinen kleinen Schatz verloren hast. Sei ganz herzlich umarmt.

Mir ging es auch so, als ich meine Zwillinge damals verloren hatte. Überall sah ich nur glückliche Babys und Eltern. Ich wollte gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Und wieviele Zwillingswägen man so sieht ......

Auch heute noch - so viele Jahre später - treibe ich mich noch immer hier im Forum herum. Dieser Verlust gehört zu meinem Leben dazu. Ich hab mich verändert.

So viele Kinder haben wir bei mir ein Zuhause - für lange oder kurze Zeit - gefunden. Diesen Weg wäre ich niemals gegangen ...... aus meinem Schmerz ist etwas sinnvolles gewachsen ..... meine Zwillinge haben mich geführt und führen mich noch heute .....

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen liebe Menschen um dich, die dich wirklich verstehen und dir zuhören. Die dich auf deinem Weg begleiten.


Alles Liebe
Petra_Andrea
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  #3  
Alt 11.07.2018, 09:51
Benutzerbild von Saskia1987
Saskia1987 Saskia1987 ist offline
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Beiträge: 3
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Hallo liebe Petra_Andrea,

Momentan rede ich da nur mit dem Papa vom Schmetterlingskind drüber. Die Nachfragen über meinen Gesundheitszustand/ Gefühlszustand sind immer ähnlich. Person Xy: "Wie geht's denn der Saskia?" Antwort: "Ja nicht so gut (...)"
Person Xy: " Ja das wird, wartet noch mal ein bisschen ab und dann kommt bald eine weitere Schwangerschaft. Ich kenne die und die, ist denen auch passiert! Die haben jetzt 3 gesunde Kinder!"

Mir helfen solche Aussagen überhaupt nicht, ich wollte das Kind. Es war ein absolutes Wunschkind und es hilft mir auch nicht weiter, wenn sie mir weitere schöne Schwangerschaften prophezeien mit gesunden Kindern. Ich wollte schon das Kind.
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  #4  
Alt 11.07.2018, 09:57
Mine 77 Mine 77 ist offline
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Liebe Saskia,


auch ich habe gerade voller Mitgefühl deine Worte gelesen.
Wenn du möchtest sende ich dir eine tröstende Umarmung zu.


Ich kann dich so gut verstehen, erst diese große Freude und dann wird einem dieses Wunder weggenommen.


Mein Sternchen flog in der sechsten Woche zurück und ich habe so genau gespürt, dass es "jetzt" geht. Ich hab nur innerlich gesagt, "bitte nicht".

Doch die Kleinen kennen so genau Ihren Weg und Ihre Zeit.
Es sind so besondere kleine Wesen und wir können keinen Sinn darin sehen, irgentwann wissen wir es vielleicht.


Ich wünsche dir sehr, dass du Menschen hast mit denen du sprechen kannst. Die dich verstehen und diese Zeit der Stille mit dir teilen.


Es ist gut, dass du dich hier angemeldet hast, ich bin auch recht neu hier und finde mich in so vielen Geschichten wieder.
Hier kennen wir alles diese unendliche Traurigkeit. Doch nach dieser gesellt sich bei vielen auch wieder Hoffnung dazu und eine so große Portion Weisheit.



Ich wünsche dir, dass du zur Ruhe kommen kannst, gerade auch beruflich, ich stelle mir das auch sehr schwierig vor.

Mir hat es geholfen, wenn ich das Bedürfnis hatte, offen darüber zu sprechen, nicht immer diese Maske aufzuhaben, natürlich nur bei Menschen die verständnisvoll sind und einem gut tun.


Ich wünsche dir ganz viel Kraft und dass du bald wieder Vertrauen schöpfen kannst.


Alles, alles Liebe,


Mine
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  #5  
Alt 11.07.2018, 10:07
Benutzerbild von Saskia1987
Saskia1987 Saskia1987 ist offline
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Danke liebe Mine,
Ja das glaube ich auch, dass das eine gute Idee war, mich hier anzumelden.
Ja, wenn ich von mir aus Sprechen möchte, hören alle zu. Beim verständnis ist es dann schon was anderes. Sätze wie: "War doch erst ein Embryo."
Kamen schon. Aber da weiß man, da erzählt man dann nichts mehr. Fühle dich auch von mir lieb gedrückt. :-)
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  #6  
Alt 11.07.2018, 22:35
Mine 77 Mine 77 ist offline
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Registriert seit: 31.05.2018
Beiträge: 11
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Liebe Saskia,


es ist schade, dass viele so oberflächlich mit dem Thema umgehen, bzw. es wird einfach schnell abgetan, denn darüber möchte niemand sprechen.

Meistens herrscht ein betretenes Schweigen, wenn nicht, kommt eine leicht daher gesagte Floskel.
Aber ich denke auch, ohne eigene Erfahrungen kann man gar nicht nachvollziehen was da in einer Frau vor sich geht.

Bevor mir das passiert ist, hätte ich auch nie gedacht, was für eine Welle von Emotionen einen da überwältigen. Ich wusste vorher nicht wie leer und traurig man sich fühlen kann.

Für Unbeteiligte ist es sicherlich auch nicht leicht. Und zum Glück gibt es unter diesen auch Sensible und Verständnisvolle.

Gerade ganz am Anfang braucht man Menschen, die einem zuhören und einen ernst nehmen.

Es gibt Hebammen, die machen Trauerbegleitung, vielleicht wäre das auch etwas für dich.


Dieses Wesen, war für dich dein Baby, es war ein Wunschkind, Biggi schreibt ja auch, dass die Beziehung schon beginnt, bevor das Seelchen bei uns in den Bauch zieht. Kein Wunder, dass du so empfindest. Das ist legitim und zeigt einfach eine große Liebe.


Lass dir diese von niemandem nehmen.

Wenn wir das Glück haben nochmal ein Kind zu bekommen, wäre es für mich auch das dritte Kind (ich habe bereits einen wunderbaren Sohn).


Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe und dass du jeden Tag Stück für Stück meistern kannst.


tröstende Grüße,


Mine
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  #7  
Alt 16.07.2018, 07:40
Katharina1979 Katharina1979 ist offline
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Ort: Hessen
Beiträge: 135
Standard Liebe Saskia

Liebe Saskia,


ein trauriges Willkommen hier im Forum und mein Beileid für den Verlust Eures kleines Kindes.

Ich mag nicht ohne Gruß vorbei gehen, auch wenn ich leider auf dem Sprung zur Arbeit bin. Wir alle hier kennen Deinen Schmerz und auch ich verstehe 100%ig Deine Gedanken und Gefühle. In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich auch eine Missed abortion (gräßliches Wort!); ich bin damals auf dem Behandlungsstuhl in Ohnmacht gefallen und mich haut eigentlich so leicht nichts um. Auch bei unserem Kind war die Nackenfalte verdickt; hierfür gibt es ca. 25 verschiedene Ursachen- also mach Dich bitte nicht verrückt, das es nun eine Trisomie gewesen sein muss; das wurde mir auch so vermittelt, ist aber fachlich nicht korrekt. Nicht das es irgendetwas besser machen würde.
Den Unfug mit- blabla, eine Fehlgeburt ist ja normal blabla- konnte ich auch nur schwer ertragen. Was soll das für ein Trost sein? Andere Frauen müssen auch diese schreckliche Erfahrung machen- das soll den Schmerz lindern?! Nun ja, es ist ja gut gemeint und immer noch besser als schweigen oder noch dümmere Kommentare. Falls Du Dich danach fühlst, schau doch mal im Beitrag "Wohin mit de rWut" vorbei (über die Suchfunktion), da wirst Du noch ein paar ähnliche Situationen beschrieben bekommen.



Paß gut auf Dich auf, umgib Dich mit verständnisvollen Menschen und wenn arbeiten erstmal noch nicht geht, dann geht es eben nicht.

Ich drück Dich aus der Ferne, wenn ich darf und wünsche Dir ganz viel Kraft in den nächsten W ochen.


Alles Liebe, K
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