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Alles ging so schnell...

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  • Alles ging so schnell...

    Ein trauriges Hallo an alle!

    Ich bin gar keine Foren-Schreiberin. Dennoch glaube ich, ich muss einfach meine Gedanken mit jemandem teilen.

    Am Samstag mussten wir unser Kleines gehen lassen. Es ist nur 8 Wochen alt geworden...
    Ich war eigentlich schon in der 13. Ssw. Am Freitag sollte der erste Ultraschall sein, wo wir endlich das Herz schlagen hören. Doch da war nichts. Ich habe die kleinen Ärmchen und Beinchen auf dem Monitor gesehen, aber es gab kein Lebenszeichen. Die Ärztin meinte, es sei vermutlich nicht lebensfähig gewesen.
    Alles ging so wahnsinnig schnell. Noch in der Klinik musste ich die erste Tablette zur Vorbereitung auf die kleine Geburt nehmen. Samstagmorgen dann weitere vier Tabletten, die die Wehen auslösen (zur Erklärung: Ich bin vor 4 Jahren nach Finnland ausgewandert. Hier werden Fehlgeburten, wenn möglich, medikamentös und zu Hause behandelt). Innerhalb eines Tages war ich nicht mehr schwanger. Es war, als hätte jemand den Lichtschalter umgestellt.

    Ich hatte große Angst vor dem Prozess, der Blutung, den Schmerzen... Aber der körperliche Schmerz war nicht einmal sehr schlimm, doch der seelische... Obwohl ich weiß, dass mein Kleines schon lange nicht mehr gelebt hat, fühle ich mich immer noch, als hätte ich es getötet. Ich bin so unglaublich traurig. Alles ist so unwirklich.
    Wir hatten uns wahnsinnig gefreut, ich bin 36 Jahre, es war meine erste Schwangerschaft. Ich weiß nicht einmal, ob ich eine richtige Mama war oder bin. Alles fühlt sich so falsch an.
    Ich weiß, wir haben unserem Kleinen einen liebevollen Abschied gegeben. Wir haben ein weiches Bettchen aus Blättern gebaut und einen Olivenzweig beigelegt. Mein Mann hat einen kleinen Schokoladenkeks beigelegt mit den Worten „Vielleicht hätte es Kekse so gerne gemocht wie ich“. Wir haben es begraben, an einem See mit dem Namen „Pilvijärvi“ (Wolkensee). Dort liegt es unter einem großen Baum. Wir haben unserem kleinen Baby einen guten Abschied gegeben. Vielleicht tröstet uns das irgendwann.

    Die Ärzte waren sehr nett, haben sich Zeit genommen und erklärt, wie die kleine Geburt abläuft. Dass es sehr bluten kann, auch schmerzhaft wird. Aber niemand hat mich auf die Trauer vorbereitet. Auf die Leere, all die Gefühle. Ich habe mir während der ersten Wochen solche Sorgen gemacht, dass ich keine mütterlichen Gefühle haben könnte. Dass ich schon lange welche hatte, wurde mir erst am Samstag klar... Ich habe niemals in meinem Leben so getrauert, so geweint.

    Und langsam kommen auch die Schuldgefühle. Vielleicht war es doch etwas, was ich getan habe, was das Leben meines Kleinen gefährdet hat? Die Gedanken kreisen. Ich wusste, dass es passieren kann, dass eine Fehlgeburt nicht selten ist. Aber dass es mir passieren kann? Es gab ja auch keine Anzeichen, keine Blutung, keine Schmerzen.
    Und die Sonne scheint, alle machen mit ihrem Leben weiter und haben Spaß als sei nichts passiert... Ich bin wütend. Ich weiß nicht einmal, auf wen. Auf mich wahrscheinlich.

    Der Körper heilt schnell, aber die Seele... Ich habe Angst, mein Kleines zu vergessen, wenn ich aufhöre zu weinen.


  • #2
    Liebe Anna,

    erst einmal ein trauriges Willkommen hier im Forum. Es tut mir wahnsinnig leid, das Euer Kleines nicht bei Euch geblieben ist.
    Leider ist hier im Forum inzwischen recht ruhig, doch ich mag nicht ohne ein paar Worte vorbeigehen.

    Vieles von dem, was Du beschreibst, kommt mir bekannt vor und ist- leider- auch vielen hier vertraut.
    Meine erste Schwangerschaft war auch schnell vorbei- und auch ich kenne das Gefühl, das es alles viel zu schnell ging, unwirklich erscheint.
    Ich bin beruhigt zu hören, das Ihr einen guten Abschied hattet, und ich bin sicher, das Euch das irgendwann helfen wird. Aber im Moment ist da eben einfach nur Trauer, und das ist auch völlig normal und darf so sein.
    Lass Dir und Deinem Mann alle Zeit, die Ihr eben braucht, um zu trauern und diesen schlimmen Verlust zu verarbeiten, so gut es eben geht.
    Du hast nichts falsch gemacht und erst recht nicht Dein Kind getötet, versuche, solche Gedanken wegzuschieben, denn sie sind nicht heilsam und Unfug.
    Umgib Dich mit heilsamen Worten und Menschen, versuche Kraft zu tanken, wo immer es geht.

    Und, aus trauriger Erfahrung kann ich Dir eins ganz sicher sagen: Du vergisst Dein Kind nicht, wenn Du aufhörst zu weinen.
    Weine, so lange Dir danach ist. Das wird vermutlich auch noch eine ganze Weile so sein. Aber falls Lachen irgendwann auch mal wieder kurz geht, ist das kein Grund für Schuldgefühle o.ä.

    Ich wünschte ich könnte Euch etwas wirklich Tröstendes sagen...
    Fühlt Euch gedrückt aus der Ferne und seid in den nächsten Wochen gut zu Euch.

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    • #3
      Liebe Anna,

      auch ich möchte dir gern in deinem Schmerz beistehen. Wir alle hier kennen und verstehen deine Gefühle. Ich selbst habe nach dem Verlust unseres Zwergs ein paar Wochen gebraucht, bis ich begriffen habe, dass mein Kind nicht wiederkommt. Das hat sich nochmal richtig schlimm angefühlt. Und ab da kamen dann auch der wahnsinnige Schmerz, die Wut auf alles und jeden (ja, auch auf mein Kind), die Schuldgefühle. Wichtig ist, sie zuzulassen: sich auszuweinen, zu schreien, was auch immer dir dabei hilft, diese Gefühle zu ertragen. Vielleicht klingt das jetzt doof, aber mit der Zeit wird das Ertragen leichter und irgendwann ist auch wieder Platz für positive Gefühle. Und das ist in Ordnung so.

      Und wenn ich dir eines ganz sicher sagen kann, dann: Ja, du bist Mama. Und wie ein Mama wirst du dein Kind nie vergessen. Und du wirst es immer lieben

      Und nochmal zu den Schuldgefühlen: Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich gar nichts an der Situation hätte ändern können. Selbst wenn ich etwas hätte tun können. Manche Dinge liegen einfach nicht in unseren Händen. Ich weiß, das ist sehr schwer zu akzeptieren und braucht Zeit. Nimm dir soviel Zeit, wie du brauchst. Versuche, dir Gutes zu tun und umgib dich mit Menschen, die dir gut tun.

      Ich drücke dich fest und wenn du weinen magst, dann weine

      lg, Mareike

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